
Anja Leus aktuelle Arbeiten erforschen das Spannungsfeld zwischen Intuition, Bewusstheit und Zufall. Aus gefundenen Holzstücken, Restmaterialien und gealterten Oberflächen entstehen skulpturale Objekte, in denen sich Ordnung und Unregelmäßigkeit begegnen. Jedes Werk entwickelt sich als Dialog zwischen dem Vorgefundenen und dem Gestalteten, zwischen handwerklicher Präzision und intuitiver Entscheidung.
Durch den physischen Arbeitsprozess des Sammelns, Beschichtens, Sägens, Schleifens, Verbindens und Überarbeitens entstehen Objekte, die die Spuren ihrer Entstehung sichtbar bewahren. Maserungen, Gebrauchsspuren, Risse und Verwitterungen werden nicht verborgen, sondern bewusst in die Gestaltung integriert. Die einzelnen Elemente treten miteinander in Beziehung, wiederholen sich, widersprechen sich und bilden neue Zusammenhänge. So entstehen vielschichtige Skulpturen, die zugleich konstruiert und organisch wirken.
Anja Leu interessiert sich besonders für jene Momente, in denen Material und Form eine eigene Sprache entwickeln – dort, wo Perfektion zugunsten von Charakter zurücktritt und Schönheit aus Unregelmäßigkeit entsteht. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Stabilität und Fragilität, zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Zusammenhalt und Auflösung. Anstatt diese Gegensätze aufzulösen, hält sie sie bewusst offen. So bewahren ihre Skulpturen eine lebendige Spannung und erzählen von Zeit, Veränderung und der poetischen Kraft des Unvollkommenen.
In ihren aktuellen Arbeiten widmet sie sich verstärkt der analogen Auseinandersetzung mit Material und Farbe. Aus gefundenen Objekten, Holzfragmenten und Fundstücken entstehen Collagen und Skulpturen, die Fragen nach Zeit, Transformation und der ästhetischen Qualität des Unvollkommenen verhandeln.
Die in den letzten zwei Jahren entwickelte künstlerische Praxis verbindet intuitives, collageartiges Arbeiten mit einer sensiblen Auseinandersetzung mit Material und Oberfläche. Dabei entstehen überraschende Konstellationen und Spannungen, die sich weder planen noch erzwingen lassen und ihren Ursprung oft im Zufall oder in natürlichen Prozessen finden.